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Chancen gut einen "Osterhasen" zu erblicken

Westen hat viel mehr Feldhasen

Erfreulich: Der Bestand an Feldhasen in Deutschland ist stabil. Besonders wohl fühlt sich Meister Lampe im nordwestdeutschen Tiefland, Hasenland Nummer Eins ist Nordrhein-Westfalen. In Ostdeutschland ist die Hasenzahl relativ gering - ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten.

Mindestens vier Millionen Feldhasen tummeln sich auf deutschen Wiesen und Feldern. Das hat die jüngste Hasenzählung ergeben, deren Ergebnisse der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) in Bonn veröffentlichte. Mit Blick auf die Zählungen der vergangenen neun Jahre gilt der Bestand damit als stabil.

Besonders wohl fühlt sich Meister Lampe im nordwestdeutschen Tiefland. Hasenland Nummer Eins ist Nordrhein-Westfalen, wo der Feldhase auf der Roten Liste heruntergestuft wurde. Im vergangenen Herbst hoppelten dort auf einem Quadratkilometer im Mittel 32 Tiere - drei mehr als im Jahr zuvor.

Großflächige Äcker im Osten

Im Nordostdeutschen Tiefland wurden fünf Tiere pro Quadratkilometer und in den Östlichen Mittelgebirgen sieben Langohren gezählt. Den Grund für die niedrige Hasenzahl in Ostdeutschland sieht der DJV in der landwirtschaftlichen Struktur aus DDR-Zeiten. Äcker und Felder seien dort sehr großflächig. Oft fehlten schützende Hecken, so dass Feldhasen für Greifvögel, Marder und Füchse leichte Beute seien.

Grundlage der Ergebnisse sind Zählungen in bundesweit mehr als 450 Referenzgebieten für das Wildtier-Informationssystem der Bundesländer. Seit neun Jahren vergleichen Wissenschaftler die Ergebnisse der Frühjahrs- und Herbstzählung. Daraus ergibt sich eine Zuwachsrate, die je nach Witterung starken Schwankungen unterliegt. Im Jahr 2008 etwa kamen keine Hasen hinzu, 2010 nahm der Bestand um 10 Prozent zu, 2007 gar um 25 Prozent.

Die Bejagung der Feldhasen (Lepus europaeus) orientiert sich an dieser Rate und am vorhandenen Bestand. Laut Bundesjagdgesetz darf der Feldhase zwischen dem 1. Oktober und dem 15. Januar gejagt werden. In den vergangenen drei Jahren hätten sich die Jäger aber sehr zurückgehalten, hieß es beim DJV.

Gezählt werden die Hasen von Jägern. Sie halten im Dunkeln aus dem  Auto heraus auf den Feldern Ausschau - die Augen der Tiere reflektieren das Scheinwerferlicht.

Quelle: n-tv

Kommentare

Eduard56 wrote 23-04-2011: Hasen

Vor 20 Jahren war der Bestand hier im Nordwesten noch besser. Da waren oft 3-5 Reviere an einen Pächter oder eine Pächtergruppe vergeben. Da wurde noch gesagt, daß man die großen Hasentreiben immer im jährlichen Wechsel bejagdt. So blieben immer große Flächen dazwischen unbejagdt. In schlechten Jahren wurde auch mal festgelegt, daß jeder Schütze nur einen oder zwei hasen bei der Treibjagd erlegen durfte.
Heute bei den kleinen Revieren wird jede Fläche mindestens einmal im Jahr bejagdt. Und wenn dann im Schnee noch Hasenspuren sind, dann wird noch einmal ein kleines Treiben veranstaltet.
Hasen kann man nur großflächig bewirtschaften. Wenn in der Mitte ein paar kleine Reviere sind, dann können alle Bemühungen der anderen Revierinhaber durch diese Staubsauger zunichte gemacht werden. Und Pächter, die immer nur an einer Jagdperiode interessiert sind und dann das Revier in den letzten beiden Jahren leerschießen, sind auch des Hasens tot. Man sollte vielleicht eine Regelung machen, daß der Pächter in den letzten 2 Jahren nur soviel schießen darf, wie in den ersten Jahren im Schnitt.

nighthunter wrote 23-04-2011: Greenpeace sieht den Bestand etwas skeptischer!

Halali zur Hasenzählung
greenpeace magazin 2.02
Auf deutschen Äckern zeigt sich der Feldhase immer seltener, doch genaue Bestandszahlen gibt es nicht. Jetzt sollen ausgerechnet Jäger die fehlenden Daten ermitteln.

Da ist wieder einer. Ein kleiner, gelber Punkt mitten auf dem Feld. Außer dem reflektierenden Auge sind im Lichtkegel grob die Umrisse eines kleinen Tieres mit sehr langen Ohren zu erkennen. "Ein Hase im Ölrettich", murmelt Egbert Strauß in sein Diktiergerät. Dann rumpelt sein Geländewagen weiter über den Feldweg. Zwei Stunden später an diesem kalten, nieseligen Novemberabend ist die Arbeit von Wildtierforscher Strauß getan. 59 Feldhasen auf einem Gebiet von 200 Hektar hat der Biologe vom Institut für Wildtierforschung in Hannover gezählt.

Noch sind Strauß und seine Mitarbeiter die Einzigen, die sich die Nächte damit um die Ohren schlagen, mit einer überdimensionalen Halogen-Taschenlampe nach bernsteinfarbenen Augen auf dem Acker zu suchen. Doch schon in diesem Frühjahr sollen hunderte Jäger Flinten gegen Lampen tauschen und Hasen zählen. Denn das Pilotprojekt von Egbert Strauß ist der Auftakt zu einer bundesweiten Aktion, zu einer Art Volkszählung des "Lepus europaeus". Auftraggeber des ehrgeizigen Projekts ist der Deutsche Jagdschutzverband (DJV). Über 800 Jäger sollen ihre Reviere kartieren, Wegstrecken festlegen und diese jeweils im Frühjahr und im Herbst mehrfach abfahren. "Wir stehen permanent in der Schusslinie", erklärt Armin Winter, Naturschutzbeauftragter des DJV, das Interesse an genauen Bestandszahlen des Hasen. Denn seit 1998 steht Meister Lampe auf der Roten Liste, eingestuft in der Kategorie "gefährdet". Das heißt, seine Bestände sind in großen Teilen des Verbreitungsgebietes "klein oder sehr klein" oder gehen "regional zurück". Seit den 70er Jahren ist der Steppenbewohner, der mit dem Ackerbau nach Westeuropa kam, wieder auf dem Rückzug. Doch wie viele Langohren wirklich noch über deutsche Felder hoppeln, weiß niemand. Zwar wird die Zahl der geschossenen Tiere, die sogenannte Jagdstrecke, Jahr für Jahr veröffentlicht. So erlegten Jäger in der Jagdsaison 1998/99 rund 446.000 Feld hasen, 1990/91 waren es noch rund 608.000. Was solche Zahlen aber über den Bestand aussagen, ist umstritten.

Über die Gründe des Schwunds herrscht dagegen weit gehend Einigkeit. "Es gibt im Wesentlichen zwei Faktoren für die Hasendichte: die durchschnittliche Parzellengröße und die Fruchtdiversität. Die Größe der Felder hat in der modernen Landwirtschaft stark zugenommen, die Pflanzenvielfalt ist zurückgegangen", sagt Christof Schenck von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, "hinzu kommen Probleme wie Zersiedelung oder auch Verkehrstod."

Naturschützer sehen deshalb in jedem zusätzlich von Jägern erlegten Tier einen Schritt in Richtung Ausrottung der Art. "Wir schöpfen nur ab, was nachwächst", verteidigt Winter – die Zählaktion soll das belegen. Langfristiges Ziel des DJV ist eine Erfassung aller Niederwildarten in ganz Deutschland, an der sich außer den Hannoveraner Wildtierforschern auch die Uni Trier und die Landesforstanstalt Eberswalde beteiligen.

Beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist man hocherfreut über die Initiative der Jägerschaft, die sonst eher ein Dorn im Auge der Naturschützer ist. "Das ist eine echte Erfolgsstory", sagt Peter Boye, Säugetierkundler und Fachmann für zoologischen Artenschutz beim BfN. "Denn das Ziel der Roten Liste ist in erster Linie, mehr Informationen über die betroffenen Arten zu bekommen. Wenn die Jägerschaft nun diese Informationen beschafft, begrüßen wir das sehr. Auch wenn es ihr natürlich darum geht, uns nachzuweisen, dass der Hase zu Unrecht auf der Liste steht."

Diese Motivation lässt befürchten, dass die Jäger zählen werden, was sie zählen wollen. "Das DJV-Konzept sieht vor, dass unter den Jägern Freiwillige gefunden werden, die die Hasen in ihren Revieren selbst zählen", gibt Ferdinand Rühe vom Institut für Wildbiologie und Jagdkunde der Universität Göttingen zu bedenken, "wenn sich aber tendenziell eher Inhaber von hasenreichen Revieren beteiligen als solche von extrem hasenarmen Revieren, werden die wirklichen Hasendichten dieser Landschaft durch die Zählergebnisse überschätzt."

"Eine gewisse Skepsis ist angebracht", findet auch Elisabeth Emmert vom Ökologischen Jagdverein (ÖJV). "Die Jägerschaft steht zur Zeit sehr unter Druck. Und es gab in der Vergangenheit schon einmal Zählungen von Elstern, die Jäger und Ornithologen gleichzeitig durchgeführt haben. Die Zahlen der Jäger waren fast dreimal so hoch wie die der Wissenschaftler."

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