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Die Hochzeitsböcke

Die Hochzeitsböcke

Meist ist der Abendansitz mit großer Entspannung verbunden. Man kann Dinge des Tages Revue passieren lassen, die frische Waldluft genießen, den Anblick von Wild und sich manchmal über eine unerwartete Beobachtung freuen.

Wenn allerdings die eigene Hochzeit bevorsteht, bei der der Hauptgang des Hochzeitsmenüs Reh aus dem eigenen Revier beinhalten soll, kann sich die Situation anders darstellen … insbesondere dann, wenn man allen Gästen schon „überschwänglich“ davon erzählt hat.

Nun, ich war in der oben beschriebenen Situation. Meine Hochzeit stand 10 Tage bevor und wir benötigten 5-6 Böcke. Seit 10 Tagen saßen Eltern, Schwiegereltern und Freunde bereits eifrig in unserem Revier an, kamen jedoch nicht zu Schuss. Es war wie verhext und mein Vater überlegte sich schon „Backup-Szenarien“. Nur an diesen Punkt wollte ich nicht kommen – vielmehr wollte ich den Braten aus dem eigenen Revier.

Jetzt, 10 Tage vor der Hochzeit, wurde es langsam Angst. Sehr kritisch wurde es allerdings, als 7 Tage vor der Hochzeit immer noch kein Stück erlegt war und ich selbst – beruflich bedingt – nicht mit Ansitzen konnte. Dann klappte es 6 Tage vorher mit dem ersten Stück und die Hofnung war wieder da. Diese war allerdings schnell wieder begraben, als die nächsten 2 Tage wieder nicht ging. So waren es noch 3 Tage bis zur Hochzeit und ich konnte endlich wieder mit auf den Ansitz gehen. Allerding kam ich erst spät dazu und hatte nicht einmal Zeit, meine Jagdklamotten anzuziehen. Also ging ich so los – nahm aber meinen Repetierer mit und pirschte in den Ecken des Reviers, in denen niemand anderes ansaß.

Nun ja, was sich dann ergab war ein ganz besonderer Abend. Plötzlich sah ich 200 m entfernt einen roten Fleck, den ich bald als kapitalen Bock ausmachte. Ich pirschte mich bis auf 150 Meter heran und ließ die Kugel liegend fliegen. Der Bock fiel im Schuss und ich wollte mich auf den Weg zu ihm machen. Doch gerade als ich das Gewehr schultern wollte, bemerkte ich, dass ich durch den Schuß ein anderes Stück aufgemacht hatte. So stand auf ca. 60 m plötzlich ein anderer Bock aus dem Getreide auf und zog vor mir in die Wiese. Ich hatte freie Schußbahn und ließ freihändig „fliegen“. Auch dieses Stück war gut getroffen.

Nun brach ich den zweiten Bock auf. Als ich ihn zum Ausschweißen an einem Baum aufhängte, sah ich in einiger Entfernung zwei Rehe treiben. Ich erkannte im Glas einen mittelalten Bock, der einen Spießer jagte. Sie waren gut und gerne 300 m entfernt, näherten sich aber in weitem Bogen. Und wie es Diana an diesem Tag wollte, standen beide nach ca. 3 Minuten in 50 m Entfernung vor mir. Ein kurzer Pfiff ließ beide verhoffen. Im Knall lag der erste Bock … kurz repetiert … und der zweite wurde zur Strecke gebracht.

Ich stand da und fragte mich, ob das jetzt wirklich passiert ist. Natürlich dauerte es nicht lange, bis mein Vater plötzlich dastand und mich fragte, ob ich vor Frust Schießübungen machen würde. Als ich ihm die 4 Böcke zeigte und in meinen Jeans und blauem Hemd vor ihm stand, glaubte auch er erst einmal an eine Halluzination. Wie auch immer, irgend jemand meinte es gut mit mir und rettete das Hochzeitsmenü. Was andere in fast 75 Stunden nicht geschafft hatten, klappte wie durch ein Wunder in 2 Stunden – das ist Jagd!

Ort:

Schwäbisch Gmünd

Land:

Deutschland

Kommentare

Keilerschreck wrote 21-02-2009: Das klappt nicht alle Tage!

Ich habe letztes Jahr geheiratet und bauchte dringend ein Schwein. Das hatte ich bereits drei Monate vorher in der Kühlung. Deine Vorangst ist mit reicher Beute belohnt worden. Weidmannsheil, das geschieht nicht alle Tage.

Fuchswinkel wrote 01-01-2009: Re:Die Hochzeitsböcke

da war dir Diana aber "treu". WMH. Ich glaub ich wäre nach dem zweiten Bock zu stark vom Jagdfieber gepackt als dass ich noch mal schiessen könnte. Das erste Stück was geschossen wurde wo ich dabei war war eine Sau (Überläufer Keiler)
Da war ich vor lauter aufregung richtig am zittern obwohl Ich (da ich noch nicht den Jagdschein habe) nochnichteinmal geschossen habe .

ja dann aber mal herzlichen GLÜCKWUNSCH zu deiner Horzeit !!!

MFG, Dennis

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