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Hickhack um die Duftzäune

WEISSENFELS/ZEITZ/MZ. Fast täglich kommt es im Burgenlandkreis zu Wildunfällen. So sprang erst Mittwoch gegen 10 Uhr zwischen Weißenfels und Pettstädt ein Reh vor einen Pkw, das Tier verendete, am Auto entstand Sachschaden. Das ist kein Einzelfall. Fest steht, die Zusammenstöße mit Rehen und Wildschweinen nehmen von Jahr zu Jahr zu. Gab es 2010 von Januar bis Ende April laut Polizei 206 Kollisionen mit Tieren, waren es in diesem Jahr bereits 235. Jürgen Hartung, Kreisjägermeister im Burgenlandkreis, erklärt dazu: "Die größten Jäger sind die Kraftfahrer. Etwa ein Drittel der im Abschussplan vorgesehenen Rehe werden jährlich auf den Straßen des Burgenlandkreises erlegt."

Doch die Zahl der Wildunfälle könnte drastisch verringert werden, wenn mehr Duftzäune installiert würden. "Auf den Streckenabschnitten, die mit Duftzäunen versehen sind, ist die Zahl der Wildunfälle um bis zu 80 Prozent zurückgegangen", erklärt Wolfgang Müller vom ADAC Niedersachsen / Sachsen-Anhalt. Dabei werden Duftschaumdepots an Fahrbahnrändern angebracht. Die riechen nach Bär, Luchs und Löwe und sensibilisieren das Wild vor dem Überqueren der Fahrbahn. Der ADAC könne immerhin seit 15 Jahren auf gute Erfahrungen mit dem Duftzaun verweisen.

Das wiederum bestreitet Mike Greiner-Pachter. Der Fachgruppenleiter vom Landesbetrieb Bau, Niederlassung Süd in Halle, ist selbst Jäger und er wisse, dass das Wild trotz Duftzaun die Straße überquere. Anlagen mit Sensoren wie im Ziegelrodaer Forst seien effektiver. Diese Sensoren, es sind eine Art Bewegungsmelder, geben sofort an eine Leuchttafel ein Signal, sobald sich im Wald etwas bewegt. Damit wird dem Kraftfahrer signalisiert, das Tempo zu drosseln. Die Anlage sei zwar wirkungsvoll, aber in der Anschaffung teuer: 200 000 Euro sind zu investieren. Eine solche Anlage sei auch im Bereich der Umfahrung in Freyburg geplant.

"Duftzäune sind nicht so wirksam", sagt auch Jürgen Koschel, Sachgebietsleiter der unteren Jagd-, Fischerei- und Waffenbehörde in der Kreisverwaltung. Der ADAC lehne sich zu weit aus dem Fenster. Es gebe andere Möglichkeiten wie die an den Straßen aufgestellten Lichtreflektoren, die positive Ergebnisse zeigen. So konnten die Wildunfälle auf der B 176 zwischen Freyburg und Zeuchfeld nachts um 70 Prozent gesenkt werden. Auf Duftzäune sollte nicht ausschließlich vertraut werden, meint auch Pressesprecher Michael Schenk vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Magdeburg. Seitens des Landesforstbetriebes würde kein Geld dafür ausgegeben, sondern man setze mehr auf das Anbringen von Lichtreflektoren. Schenk: "Aus unserer Sicht ist für die Verhütung von Wildunfällen die Reduzierung überhöhter Wildbestände durch Bejagung vorrangig." Dem schließt sich Hartung an: "Die Abschussquoten müssen teilweise erhöht werden."

Armin Deubel, Jäger der Stadt Weißenfels spricht klare Worte: "Duftzäune sind eine prima Sache. Aber die Kosten dafür auf die Jagdpächter umzulegen, geht nicht. Die werden immer mehr zur Kasse gebeten." Er plädiere dafür, unter anderem die zu entrichtende Jagdabgabe dafür zu verwenden. Doch die fließe in die Staatskasse. "Die Straße nutzen wir doch aber alle", so Deubel. In die gleiche Kerbe schlägt Hartung: "Wenn nicht mal das Land Geld für Duftzäune aufbringt, warum soll das von den Jagdpächtern gefordert werden."

Eine hundertprozentige Sicherheit auf den Straßen werde es trotz aller technischen Raffinessen nicht geben, so Hartung. Umsichtig fahren sei immer noch die beste Prävention. Er gab für das Fahrverhalten Ratschläge: Niemals sollten Kraftfahrer versuchen, dem Tier auszuweichen. Der Fahrer begebe sich dadurch in eine viel größere Gefahr. Eine Kollision mit einem Reh gehe glimpflicher ab, als gegen einen Baum zu fahren. Das Gleiche treffe für Motorradfahrer zu. "Zu 90 Prozent hilft, das Tempo zu verringern", fügt er hinzu.

Für Deubel und Hartung stehen die Gründe, warum es mehr Wildunfälle gibt, fest. Ihrer Meinung nach werden die Tiere von den Waldbesuchern aus ihren angestammten Revieren verjagt. Es würden ihnen die Rückzugsgebiete genommen. Das sei unter anderem auf das Freizeitverhalten der Menschen zurückzuführen. Die schrecken das Wild auf und verjagen es im schlimmsten Fall dauerhaft. Arbeiten der Bauern und Forstarbeiter sorgen ebenso dafür wie die Pilzsucher, die durch den Wald laufen, und Hundebesitzer, die mit ihren Tieren durch das Dickicht ziehen

Quelle: http://www.mz-web.de

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