Ein Reh fällt eine Joggerin an - und die nimmt das Tier prompt in den Schwitzkasten. Was trieb das Reh zu diesem tierischen Angriff? Ein Erklärungsversuch.
Die Schonzeit ist vorbei. Seit dem 1. Mai wird wieder geschossen. Rehböcke im Kugelhagel, Schmalrehe im Fadenkreuz. Kein Wunder, dass sich die Tiere das nicht so einfach gefallen lassen: Das Reh aus der Echinger Lohe muss gewittert haben, was da am nächsten Tag über die Seinen hereinbrechen wird.
Am Samstagvormittag hat es zum Gegenschlag ausgeholt. Rehe können da gnadenlos sein und so hat sich das Tier mit voller Wucht auf das erste menschliche Wesen geworfen, das ihm in den Weg kam. Blöd nur: Es hat die Rechnung ohne sein Opfer gemacht. Die resolute Joggerin aus Neufahrn, so heißt es im Polizeibericht, habe das Reh geistesgegenwärtig in den Schwitzkasten genommen und den Kombattanten damit in letzter Sekunde in die Flucht geschlagen.
Vielleicht war aber auch alles ganz anders. Das vermutet zumindest Walter Bott, Vorsitzender des Freisinger Jagdschutz- und Jägervereins. Man versetze sich mal in die Lage eines Rehes auf einem Waldweg: "Links und rechts haben sie Büsche. Von hinten kommt ein Spaziergänger, vielleicht auch noch mit Hund. Das Reh bekommt die Panik und rennt los.
300 Meter weiter kreuzt ein anderer Weg und da stößt das Reh ohne Absicht mit einem Jogger zusammen." Keine Attacke also, sondern ein harmloser Zusammenstoß. Menschengemacht. Hätte man nur mal auf die Jäger gehört: Im SZ-Interview hatten Botts Leute erst in der vergangenen Woche um anständiges Benehmen im Wald gebeten. Hunde ohne Leine, abendliche Jogger mit Lampe auf der Stirn - kein Wunder, dass der Tierwelt irgendwann die Nerven durchgehen.
Theoretisch hält Bott auch eine zweite Variante für möglich. Rehböcke, die von Menschenhand aufgezogen wurden, könnten ihr Revier schon mal aggressiv verteidigen. Per Schwitzkasten solle man sich in dem Fall aber nicht verteidigen: "Sich mit einem Rehbock in den Nahkampf einzulassen, ob das was bringt? Der hat ja spitze Hörner!"
Jäger Bott selbst hat das Ende der Schonzeit übrigens noch nicht ausgenutzt. Mit Angst vor Angriffen der Harakiri-Rehe habe das aber nichts zu tun. Nein, bei den Tieren stehe gerade der Fellwechsel an, vom graubraunen Winterfell auf das rotbraune Sommerfell. "Wenn sie jetzt ein Reh schießen, fliegen die Haare nur so herum." Die Folge: Auch das Wildbret schmecke ziemlich haarig. Viele Jäger ließen deshalb die Flinte vorerst noch daheim.
Hätte das mal jemand dem Reh aus der Echinger Lohe gesagt - es hätte sich garantiert einen ruhigeren Samstag machen können.
Quelle: SDZ
.... und was meint Ihr zu dem Vorfall? Kommentare willkommen!
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