Der volle Mond
Der ,,volle`` Mond
Es war ein Samstag im September, der Samstag,
wie sich noch herrausstellen sollte, aber dazu später.
Ring-Ring-Ring! Das Telefon klingelte, es war der Nachbarjäger.
Er fragte ob ich heut schonwas vor hätte.
Wieso, wollte ich schon wissen und er antwortete ganz aufgeregt,
das Sauen im Revier sind und er wolle heute Abend rausfahren.
Gerade als ich meine Frau fragen gehen wollte, ob sie etwas geplant hatte,
stand sie plötzlich vor mir und nickte, als ob sie es geahnt hat. Sie steht mir
eigentlich immer gut zur Seite, ob im Beruf oder bei meiner Vorliebe zur Jagd.
Wir verabredeten uns zu 17 Uhr an der ,,großen Eiche``.
Eigentlich komisch, man wünscht sich ja, dass das Wochenende nicht schnell vergeht, doch
wenn es heißt das es abends raus geht bleibt die Zeit fast stehen. Endlich war es halb fünf und
ich packte alles ein, ab ins Auto und los. Micha der Nachbarjäger war schon da. Nach kurzer
Absprache und einer Zigarette nahmen wir unsere Stände ein. Micha setzte sich auf eine halbhohe
Leiter die an einen Baum angelehnt war, von wo er links über die Wiese bis zum seichten Bach
schauen kann, wo schon oft in später Stund Schwarzkittel wechselten. Mein Platz war ein Schirm
am Boden vor einer Fichtenschonung. Fünfzig Meter vor mir stand eine große Buche die dem
Wild als Mahlbaum dient. Der frisch aufgestrichene Buchenteer war bis zu mir herrüber warzunehmen.
Geladen und gesichert, sie können kommen.
Nach einer ganzen Weile, es war schon dunkel geworden, nahm ich hinter mir ein lautes Knacken war.
Und wieder und wieder. Das müssen Sauen sein. Keine dreißig Meter von mir entfernt muss eine Rotte
ziehen, aber ich kann sie nicht ausmachen. Verflixt dachte ich, warum ist der Mond gerade jetzt weg?
Da stehen sie. Durch das Fernglas sind die Umrisse zu sehen, große und kleine Schatten stehen
links von meinem Sitz, aber ein Ansprechen welches Stück in frage kommt war bei der Dunkelheit nicht
drin. Der Himmel war bewölkt und der Mond hatte keine Chance mir etwas Licht zu schenken. Ich beschloss
eine Weile zu warten, vielleicht bricht der Mond ja doch noch durch.
Hin und her ging es an der alten Buche. Der Wind steht so günstig das die Schwarzkittel mich überhaupt
nicht bemerken. Es war nun schon eine gute halbe Stunde vergangen und langsam wurde es heller.
Das Adrenalien schoss mir durch den Körper. Auf Sauen zu jagen ist immer wieder etwas besonderes.
Wie mein Jagdlehrer immer sagte: ,, Sauen sind wie ein Kartoffelsack! Man schüttet ihn aus und dann sind sie
aufeinmal da!"
Die Rotte bestand aus sieben Sauen. Etwas abeits der Rotte stand die Leitbache, der Rest waren
Überläufer in verschiedenen Größen. Ich brachte die Waffe in Anschlag und suchte das mir am schwächste
Stück aus. Den Finger am Abzug und langsam durchziehen. Der Schuß brach. Beim Blick über das Absehen
war die ganze Bühne leer. Kurz nach dem Schuß vibrierte mein Handy. Es war Micha, der aufgeregt fragte
ob ich geschossen hab. Ja antwortete ich und sagte zu ihm das ich jetzt zum Anschuß gehe. Micha fragte
wo wir uns treffen. Worauf ich ihm sagte, das er ruhig noch sitzen bleiben soll und ich ihn dann abhole.
Nun fix die Waffe entladen und hin zum Stück. Dreißig Schritt vom Schirm entfernt lag ein guter Überläufer im
Taschenlampen Licht. Es war so hell geworden, das es aussah als ob der Überläufer vom Mond mit einer
Lampe angeleuchtet wird. Am Stück hielt ich kurz inne, schaute nach oben zum Mond und sagte danke.
Beim versorgen des Wildes ging mir noch einmal der Ansitz durch den Kopf. Plötzlich Brach ein Schuß.
Da hat wohl noch jemand Weidmannsheil gehabt. Ich holte das Auto und legte das Stück in den Kofferraum
in die Wildwanne. Nun ab zu Micha. Nach vier mienütiger Fahrt kam ich bei Michas Auto an. Da leuchtet doch
Jemand vom Sitz herrunter, das kann nur Micha sein. Warum geht er nicht ran? Hört er sein Handy nicht.
Ein lautes Klagen versetzte mir einen Schreck und Michas Taschenlampe bewegte sich noch schneller.
Ich nahm die Waffe aus dem Auto, unterladete sie mit zwei Patronen und ging mit Lampe vorran zu Michas
Leiter. Vom Auto bis zum Sitz waren es gute einhundert Meter. Micha gab mir zu erkennen mit auf und absenken
des Taschenlampenlichtes das er mich kommen sieht, wie wir es schon seit einiger Zeit machen. Da wieder ein
Klagen direkt vor mir. Ich suchte mit dem Licht die Fläche ab. Ein Schwarzer lag zehn Meter vor mir mit offenem
Gebräch. Jetzt konnte auch Micha ihn sehen und rief laut zu mir das ich einen Fangschuß anbringen soll. Gesagt
getahn. Der Schuß war raus und das Stück lag im Knall. Als Micha auf mich zukam nahm ich ein leises Lachen
war. Ich fragte ihn was so komisch sei oder ob er sich über sein Schwein freut. Als er mir alles erzählte lachten wir
beide. Nach seinem Anruf tauchten bei ihm wie aus dem Nichts Schwarzkittel auf und er ließ fliegen. Jedoch als
der Schuß brach, war er mit dem Ellenbogen an sein Handy gekommen, dass auf der Kante lag und es fiel runter.
Weil das Stück nicht im Knall lag und er nicht sehen konnte wo es nach dem Schuß hingelaufen war beschloss er
zu warten bis ich komme. Wenn etwas passiert das immer noch jemand Hilfe holen kann. Natürlich Angsthase sagte
ich zu ihm und wir lachten noch im Wildkeller beim Abwiegen darüber. Beide Sauen hatten um die fünfundreißig
Kilo. Wir wünschten uns ein Weidmannsheil und fuhren nach hause.Am Gartenzaun wartete schon ganz aufgeregt
mein Hund den ich natürlich mit einer kurzen Streicheleinheit verwöhnte. Als Jagdhund üblich, nahm er gleich den
frischen Geruch von Schweiß war, der noch vom aufbrechen an meinen Stiefeln haftete und er war noch
aufgebrachter. Meine Frau wartete schon und ich erzählte ihr die ganze Geschichte und sie konnte sich ein Grinsen
nicht verkneifen. Ab diesem Tag an, nannten wir Micha nur noch Hase.
Ort:
Uckermark
Land:
Deutschland
Kommentare
Wiesel wrote 23-08-2009: Der volle Mond
C&R wrote 18-08-2009: Netter Jagdbericht ...
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